Appenheim in Rheinhessen  
   
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Anschrift
Ortsgemeinde Appenheim
Hauptstraße 28
55437 Appenheim, Rheinhessen

Tel. 0 67 25 / 24 43
rathaus@appenheim.de

Die Gemeinde Appenheim

Das Rathaus

 

Das genaue Baujahr dieses typischen rheinhessischen Rathauses ist leider nicht feststellbar. Es muss jedoch in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts errichtet worden sein. Das Erdgeschoss bestand insgesamt aus einer offenen Halle mit Spitzbogen. Das Obergeschoss ist aus Fachwerk gerichtet. An der zur Niedergasse gerichteten Seite befindet sich ein kunstvoll barock geschnitzter Eckbalken.

 

Die einen behaupten, es seien Symbole aus der germanischen Mythologie, während die anderen eine Schnecke als Zeichen des Lebens und ein Engel erkennen wollen, der als Erzengel Michael, dem Schutzpatron der Deutschen, gedeutet wird. Das Haus hat ein bei uns stark verbreitetes Krüppelwalmdach. Die Leibungen der Fenster des Obergeschosses sind gekröpft und aus rotem Buntsandstein.

 

Das Rathaus

 

Das Gebäude diente vielfältigen Zwecken. Während es zunächst als Gerichtsstätte und als Verwaltungsgebäude des Schultheißen diente, wurde von 1630 ab den Katholiken das Recht eingeräumt, in dem Rathaus ihre Messe zu halten. Nach mehrmaligem Religionswechsel hatte die Gemeinde damals rund 50 Katholiken. Als 1691 die evangelische Kirche wegen Baufälligkeit geschlossen werden musste, hielten die reformierten Christen ebenfalls ihren Gottesdienst im Rathaus. Im Rahmen der pfälzischen Kirchenteilung im Jahre 1705 erhielten die Katholiken endgültig das Recht, die Hl. Messe im Rathaus zu feiern.

 

Dies wurde jedoch von der Gemeinde immer wieder streitig gemacht. 1710 musste das Oberamt Stromberg eine Strafexpedition von 20 Reitern nach Appenheim schicken, um die Benutzung eines Raumes im Rathaus zum Gottesdienst und zur Unterrichtung der katholischen Kinder durchzusetzen. Am 20. 10. 1737 vermachte der pfälzische General Otto von Clos den Katholiken ein kleines Haus gegenüber dem Rathaus pur Abhaltung der Hl. Messe. In dieser Zeit muss auch die offene Halle unter dem Rathaus zugebaut worden sein. Denn nun werden die Feuerwehrgeräte und der Leichtrar dort untergestellt. Außerdem befand sich dort die Arrestzelle.

 

Am 21. Januar 1798, dem Jahrestag der Hinrichtung des franz. Königs, Ludwig XVI., pflanzten die Franzosen den Freiheitsbaum mit der Jakobinermütze vor dem Rathaus. Unter Absingen der französischen Nationalhymne und dem Läuten aller Glocken zog man ab 7.00 Uhr durch das Dorf. Die Schulkinder erhielten Geschenke im Werte von 21 Franken. Die übrigen Festkosten für Wein betrugen u. a. 62 Franken. Auf dem Rathaus wurde gesungen und getanzt. Im Mai des gleichen Jahres unterschrieben 85 Männer einschließlich des Lehrers und Pfarrers im Rathaus die Reunionsadresse für die Angliederung an Frankreich. Es wurde im Protokoll jedoch als Bedingung ausdrücklich festgehalten, dass die Religion der Bürger wie bisher beibehalten werden kann.

 

Da die Schulräume im Schulhaus nicht mehr ausreichten, wurden ab 1905 3 Klassen im Rathaus unterrichtet. Einige ältere Appenheimer Bürger erinnerten sich gerne daran, wenn der Lehrer die "Bösen Buben" im Katzenkämmerchen, der ehemaligen Arrestzelle, einsperrte, um sie zu besserer Disziplin anzuhalten. Das Rathaus diente bis 1936 als Notlösung zur Aufrechterhaltung eines geordneten Schulbetriebes. Ab 1933 regierten die Nationalsozialisten im Rathaus. Die Selbstverwaltung war allerdings abgeschafft. 1936 erhielten dann die Hitlerjugend und der Bund deutscher Mädel einen Gruppenraum im Rathaus.

 

Das Rathaus 1974 - vor der Renovierung
Bild 1: Das Rathaus 1974 - vor der Renovierung
Das Rathaus 1983 - nach der Renovierung
Bild 2: Das Rathaus 1983 - nach der Renovierung

 

Nach dem z. Weltkrieg verschlechterte sich der Zustand des Gebäudes. So trug man sich in den 1970er Jahren mit dem Gedanken, das Haus abzureißen, weil es einmal ein Verkehrshindernis bildete, zum anderen weil die Renovierung zu teuer erschien; auch an einen Verkauf war gedacht. Die Gemeinde entschloss sich jedoch nach unzähligen Beratungen im Rat und Diskussionen in der Bevölkerung, das Rathaus seiner ursprünglichen Zweckbestimmung zuzuführen.

 

Mit einem erheblichen Kostenaufwand wurde es 1983 renoviert, die offene Halle, teilweise, und das Fachwerk wieder freigelegt. Heute ist man glücklich über die damalige weise Entscheidung. Die Einweihung des neu renovierten Rathauses erfolgte am 8. Juli 1983.

 
     
 
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